Mitglieder aus dem Gewerk "Metall" zeigen

Metallgestaltung kann, wie jegliche Gestaltung, sehr viel Freude machen und tiefe Befriedigung vermitteln. Muss aber nicht. Gestaltung wird erleichtert, wenn man sein Material kennt und wenn möglich auch lieb hat. Oft geschieht es, dass das Material, in diesem Fall Metall, nicht genauso will wie es sich der gestaltende Mensch so vorgestellt hat und seinem Kunden gegenüber als machbar und bezahlbar dargestellt hat. Dann tauchen Fragen nach der Richtigkeit der Entscheidung für genau dieses Material, das Metall, auf. Man träumt von Holz und Leder, Keramik und Filz und sogar von Porzellan. Man hört von ähnlichen Träumen, geträumt von gestaltenden Menschen die sich mit diesen Materialien abmühen und bleibt gerne bei Stahl, Bronze, Messing.
Was man als gute Gestaltung empfindet, ist auch eine Frage in welchem Lebens-/ Betrachtungsalter man sich diese Frage stellt: Die vor dreißig Jahren als kitschig empfundenen geschmiedeten Grabkreuze auf einem südlichen Friedhof erscheinen heute authentisch und vom damaligen Gestalter als ehrliche und ungekünstelte Fortsetzung einer reichen Tradition gefertigt. Die als befreiend und aufregend empfundenen dekonstruktivistischen Verhaue aus Breitflanschträgern, Rohren, Winkelstahl und Wellblech wirken heute manchmal nur noch ratlos. Die Entscheidung zwischen Ulmer Hocker und dem alten Sofa meiner Oma wird zunehmend nach anderen Prämissen entschieden.
Schlechte Metallgestaltung ist weitverbreitet, sehr beliebt und nicht ausrottbar - aber vollständig recycelbar. Das (vielleicht) geschmiedete "Barock" - Geländer am Winkelbungalow ist allerdings leichter zu ertragen als die zerstörerische Wirkung von manch guter Metallgestaltung wie cruise missiles, schnittigen U-Booten und wunderschön ziselierten Schusswaffen. Alles gar nicht so einfach.